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Weitere „Stolpersteine“ in Brandoberndorf verlegt
Das Kunstprojekt „Stolpersteine“ von Gunter Demnig gilt als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Stolpersteine sind inzwischen in 31 Ländern Europas verlegt worden. Sie erinnern an das Schicksal von Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Quadratische Messingtafeln auf den Stolpersteinen nennen die Namen, das Geburts- und Todesjahr sowie das Schicksal der im Holocaust verfolgten Menschen. Sie werden vor den letzten, frei gewählten Wohnhäusern der NS- Opfer verlegt. 84 Jahre nach der Deportation der letzten Jüdinnen und Juden sind nun auch in Brandoberndorf 17 Stolpersteine verlegt. Die evangelische Kirchengemeinde Brandoberndorf, die katholische Gemeinde Maria Hilf Brandoberndorf und die kommunale Gemeinde Waldsolms tragen und verwirklichten das Projekt gemeinsam. Die Gedenksteine wurden aus den Kollekten finanziert, die im Laufe der letzten Jahre bei den beiden jährlichen ökumenischen Gottesdiensten zum Gedenken an die Progromnacht 1938 und zum Holocaustgedenken gespendet wurden.
Da der Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der weiteren Stolpersteine nicht anwesend sein konnte, setzten Mitarbeiter des Waldsolmser Bauhofes die Steine in der Backhaus- und der Borngartenstraße. Zur Einweihung begrüßte Bürgermeister Roland Hörster die Teilnehmer beim Waldsolmer Rathaus vor der Tafel der Gemeinde zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger von Brandoberndorf „als Mahnmal gegen Krieg, Diktatur und Gewaldherrschaft“, erinnerte an die erste Verlegung und die Notwendigkeit der Erinnerung an den Holocaust.
Beim anschließenden Rundgang berichtete der evangelische Pfarrer Jörg Lange vor den Stolpersteinen in der Backhausstraße ausführlich über das Schicksal der Eheleute Moritz und Ella Helene Joseph und ihres jüngsten Sohnes Joachim, die 1942 in die Region Lublin deportiert und ermordet wurden sowie in der Borngartenstraße von den Brüdern Joseph und Moses Siedenberg, die 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 22. Januar und am 13. Oktober 1942 ermordet wurden. Die zahlreichen Teilnehmer besuchten schließlich auch noch die Stolpersteine am Kachelberg und in der Gaulenberger Gasse, um der Familie Nathan Abraham sowie der Familie Ferdinand Abraham, Frieda Strauß und Milton Strauß zu gedenken.
Diakon Joachim Pauli bedankte sich als Vertreter der Katholischen Kirche bei den Teilnehmern und unterstrich die gute und kooperative Zusammenarbeit der kirchlichen und kommunalen Gemeinden. Auch er betonte die Notwendigkeit, gerade in der aktuellen Zeit die Erinnerung an das Menschheitsverbrechen wachzuhalten.
Text und Bilder von Helmut Serowy

